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Tilde-Zeichen

Der Begriff Tilde stammt vom lateinischen Titulus (Titel, Überschrift, Überzeichen) ab. Als Tilde wird ein Schriftsonderzeichen bezeichnet, das als kurze Schlangenlinie mit zwei Bogen dargestellt wird, von denen sich der erste oberhalb der Mitte des Zeichens befindet und der zweite unterhalb. Jedes derartige Schriftzeichen ist

eine Tilde, auch wenn es nicht über einem anderen Zeichen steht, sondern darunter oder allein. Die verschiedenen Tilden können im entsprechenden Unicode HTML-kompatibel dargestellt werden. Mit dem Et-Zeichen, lückenlos gefolgt von der Buchstabenfolge sim (nicht zu verwechseln mit dem SIM aus SIM Karte) und einem Semikolon, wird der HTML-Code für eine kleine, einzelnstehende Tilde erzeugt.

Allein stehende Tilden werden vor allem in der Mathematik und in der Physik verwendet. Eine einzelne Tilde ohne jeden Zusatz, ~, steht für Proportionalität. Eine doppelte Tilde ohne Zusatz, ≈, steht für einen ungefähren Wert, beziehungsweise einen Rundungswert. Tilden, die in wissenschaftlichen Zusammenhängen über einem Wert oder einem Zeichen stehen, zeigen an, dass es sich um eine ungefähre Größe oder einen Näherungswert handelt. Befindet sich eine Tilde in einer mathematischen Gleichung über Variablen wie x oder a so sind die Näherungswerte von x, beziehungsweise a, gesucht oder gegeben. In Unicode wird das Proportionalitätszeichen, ~, mit den Symbolen & und # sowie der Ziffernfolge 126 (plus Semikolon) dargestellt. Das Rundungszeichen, ≈, entspricht dem Et-Zeichen, das mit der Zeichenfolge asymp; gruppiert ist.

In der Sprachwissenschaft bedeuten über einem Vokal oder Konsonanten stehende Tilden, dass der entsprechende Laut nasal ausgesprochen wird. Die Tilde ist hier ein diakritisches (unterscheidendes) Zeichen. Beispiele hierfür sind ã, õ und ñ. In Unicode wird ã mit &# und der Ziffernfolge 227, auf die ein Semikolon folgt, dargestellt. Das kleingeschriebene õ entspricht &# und der Ziffernfolge 245 mit einem anschließenden Semikolon. Für den spanischen Nasallaut ñ gibt es die Unicode-Darstellung &#, die um die Zeichenfolge 241; ergänzt ist. Alle Großbuchstaben haben einen spezifischen Kode. Ã wird durch die Symbole & und #, an die sich lückenlos die Zeichenfolge 195; anschließt, ersetzt. Õ entspricht &# und der Ziffernfolge 213 plus Semikolon. Ñ wird in Unicode durch &# und die Zeichenfolge 209; dargestellt.

In Internetadressen und im Betriebssystem Linux steht die Tilde für ein Verzeichnis. Zum Beispiel führt die Internetadresse http://www.example.com/~bilder direkt in das Verzeichnis "Bilder". Eine besondere Rolle spielt die Tilde in einigen Computersprachen. In der Programmiersprache C++ ist eine Tilde Teil der Kennzeichnung des Destruktors (Zerstörers). Für die Scriptsprache Perl wird das Symbol "~" als Einleitung für einen "Regulären Ausdruck" verwendet. Im Textsatzsystem LaTeX lassen sich alleinstehende und über einem Zeichen stehende Tilden mit verschiedenen Befehlen darstellen. Zum Beispiel kann ein ã mit der Zeichenfolge ~a erzeugt werden. Eine kleine Einzeltilde wird mit den Zeichen ~{} dargestellt. Eine große Tilde kann durch das Eingeben der Zeichenfolge sim dargestellt werden. Auch als Befehl findet die Tilde in LaTeX Verwendung. Sie erzeugt ein unumbrechbares Leerzeichen. Auf Windows PCs mit deutschen Tastaturen kann eine Tilde durch das gleichzeitige Drücken der Tasten AltGr und "+" geschrieben werden. Das entspricht in der Schweiz der Tastenkombination AltGr und ^. Auf dem Mac schreibt man eine Tilde durch das Drücken der Tasten Alt und N.